Übe lauschen. Das Ohr ist dem Herzen näher als das Auge.

Kreiskultur

Die ersten Kreise bildeten sich um die Feuer unserer Vorfahren. Bis heute ist die Mitte des Kreises ein verbindender Ort an dem wir unsere Unterschiede zu befruchtenden gemeinsamen Bildern zusammenfügen können. Vorraussetzung hierfür ist die Fähigkeit, miteinander statt gegeneinander zu reden.

Selbsterfahrung im Kreistanz, Kreismeditation und Kreis-Kommunikation

22 Jahre Erfahrung in der tragenden Qualität des Kreises ...

GABRIELLA DESIKA absolvierte 1995-1998 ihre berufsbegleitende Ausbildung zur Integrativen Tanzpädagogin nach F. Perls und H. Petzold, AGB – Ausbildungsinstitut für Gruppe und Bildung unter der Leitung von Dr. Bernhard Weiser und Auguste Reichel, www.agb-seminare.at

Dort lernte sie die stärkende Kraft der Gruppe im Kreistanz und in der Kreiskommunikation. Seitdem trägt sie bewusst dieses uralte Wissen und bringt es in ihren Seminaren ein. 

Im gemeinsamen Tanz, dem Kreistanz einer Gruppe spüren wir, dass wir nicht alleine auf dieser Welt sind. Er fördert und stärkt die Gemeinschaft, führt und hält zusammen was auseinander zu fallen droht, bindet den einzelnen ein in die Gesamtheit.

Kreiskultur

Kreiskultur und Kommunikation Grundform nachhaltiger Sozialstrukturen und Organisationsformen Textquelle: Vivian Dittmar, www.viviandittmar.net

In vielen Gesellschaftsbereichen macht sich heute eine Rückbesinnung auf eine andere Form des Miteinanders bemerkbar. Jenseits von religiösen Dogmen oder moralischen Zwängen ist diese “sanfte Revolution” Ausdruck eines globalen Bewusstseinswandels, dessen Tragweite wir heute allenfalls erahnen können. Kernpunkt dieser Bewegung ist eine Abwendung von Konkurrenz- und Individuationsdenken hin zu Kooperation, gegenseitiger Unterstützung und aufrichtigem Engagement für das Gemeinwohl als Grundlage einer nachhaltigen, erfüllenden und gerechten Lebensweise. In diesem Prozess der Umstrukturierung bietet uns der Kreis als Urform menschlicher Sozialstruktur Halt und Orientierung. Indem wir unsere sozialen, wirtschaftlichen, finanziellen und rechtlichen Strukturen nach dem Kreisprinzip gestalten, entstehen lebenserhaltende Modelle, die unserem Bedürfnis nach einem neuen Miteinander Rechnung tragen und dadurch eine neue Form von Wohlstand ermöglichen, einem Wohlstand der über materielle Besitzanhäufung weit hinaus geht.

Auch wenn der Kreis als Urform menschlicher Gemeinschaftsorganisation gilt, scheint er nach Jahrtausenden hierarchisch geprägten Miteinanders vergessen zu sein. Mehr noch, hierarchische Formen des Miteinanders sind inzwischen so tief in unserer persönlichen und kollektiven Psyche verankert, dass den meisten von uns ein funktionierendes Miteinander ohne diese Strukturen undenkbar erscheint. Zugleich gibt es eine Jahrhunderte, vielleicht sogar Jahrtausende währende Entwicklung, die sich langsam aber beständig in diese Richtung bewegt: weg von hierarchischen Strukturen, hin zu mehr Partizipation, gemeinsamer Verantwortung und Entscheidungsfindung, zu Solidarität und Kooperation.

Es handelt sich hierbei nicht um eine lineare Entwicklung, bei der ein Schritt auf den anderen folgt. Vielmehr vollzieht sich dieser Wandel tastend, suchend, zaudernd, mit unendlich vielen Fehltritten, scheinbaren Rückfällen und Irrwegen, die uns immer wieder glauben lassen, wir hätten den Weg vollends verloren. Doch waren es oft gerade die dunkelsten Momente in unserer Geschichte, die uns einen entscheidenden Schritt nach vorne ermöglichten. Als jüngste Beispiele lassen sich die Schrecken des Dritten Reiches und die daraus entstandenen internationalen völkerrechtlichen Abkommen wie die Genfer Konventionen nennen, oder die in Südafrika nach Ende des Apartheid Regimes eingesetzten “Truth and Reconciliation Committees”, die in der Geschichte der Rechtssprechung ein neues Kapitel aufschlugen.

Die globale Krise, der wir uns als Menschheit heute gegenüber sehen, ist zweifellos einer der dunkelsten Momente, die wir je durchlebt haben. Um angesichts des überwältigenden Ausmaßes ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Herausforderungen nicht zu resignieren, brauchen wir eine Perspektive. Wir brauchen Modelle, die glaubhaft machen, dass ein neues Miteinander möglich ist. Und dass auch aus dieser Dunkelheit ein entscheidender Schritt nach vorne möglich ist - in eine Kultur der Solidarität und Kooperation, in der wir miteinander und mit allen anderen Lebewesen in wechselseitiger Unterstützung leben.

Die Kreiskultur ist die Grundform solcher Modelle. Was ist Kreiskultur? Die ersten Kreise bildeten sich an den Feuern unserer Urahnen. Hier versammelten sich Menschen, um Wärme, Schutz und Nahrung zu teilen. Im Laufe der Zeit entwickelten sich hier immer komplexere Sozialstrukturen, denen jedoch allen das Prinzip des Kreises zugrunde lag. Christina Baldwin schreibt in ihrem Buch “Calling the Circle”: “Der Kreis ist eine Form, die den Unvollkommenheiten menschlicher Interaktion widerstanden hat und weitreichende soziale Veränderungen überstanden hat

...Der Kreis hat die menschliche Gesellschaft über dreissig tausend Jahre lang zusammengehalten...

Im Zeitalter des Kreises haben wir uns von altsteinzeitlichen Höhlenbewohnern zu Bürgern von so fortschrittlichen Gesellschaften wie dem minoischen Kreta entwickelt. Der Kreis hat uns geholfen, all das zu beinhalten.” (Baldwin, 1998, S. 38) Intakte indigene Völker sind lebende Beispiele solcher Kulturen. Sie leben im Einklang mit den Gesetzen der Natur und das seit Jahrtausenden. In der Auseinandersetzung mit der Frage, wie wir als Menschheit langfristig nachhaltig leben können, bieten uns die Grundprinzipien indigener Lebensführung wichtige Anhaltspunkte. Denn auch wenn die Lebensweise indigener Völker für uns keine lebbare Alterative darstellt, können wir in den ihr zugrundeliegenden Prinzipien die Grundlage nachhaltigen Lebens erkennen und auf unsere modernen Gesellschaftsformen, Wirtschaftssysteme und technischen Systeme anwenden.

Warum ein Kreis?

Der Kreis ist die Grundstruktur aller natürlichen Prozesse. Nachhaltige Modelle, ob im sozialen, im ökologischen oder im ökonomischen Bereich, können nur dann funktionieren, wenn sie den Schritt von linearen Modellen in Kreismodelle schaffen. Ein lineares Modell ist endlich. Ein Kreislauf kann sich, so lange er in Balance ist und lernfähig, immer weiter fortsetzen, wie die Natur es seit Jahrmillionen vorlebt. Kreiskultur ist die soziale Entsprechung natürlicher Modelle. Die Mitte des Kreises: Vertrauen und Kooperation Um einen Kreis begreifen zu können und zu verstehen, was ihn von einer Hierarchie unterscheidet, müssen wir vor allem begreifen, was einen Kreis im Inneren Zusammenhält. Die meisten hierarchischen Modelle basieren auf Angst. Menschen partizipieren in ihnen, da sie Angst haben, was geschehen würde, wenn sie dies nicht täten. Ein hierarchisches System wird also durch einen Druck von außen zusammengehalten. Nicht so ein Kreis. Ein Kreis wird von einer inneren Anziehung geformt und zusammengehalten. Was in grauer Vorzeit noch die ersten Feuer unserer Urahnen gewesen sein mögen, ist heute eine geteilte Vision. Doch noch immer sind es das Vertrauen, der gegenseitige Respekt und die Kooperationsbereitschaft, die Kreismitglieder miteinander verbinden und sie befähigen, gemeinsam Verantwortung zu tragen. Kreiskultur ist gemeinsame Verantwortung für das Ganze In hierarchisch geprägten Gesellschaftsformen ist der Begriff Verantwortung ausgesprochen negativ besetzt. Verantwortung wird in der Regel mit Schuld gleichgesetzt, wodurch diese nach Möglichkeit delegiert wird: von unten nach oben und von oben nach unten. Es liegt in der Natur eines hierarchischen Systems, dass jeder nach maximalem Einfluss bei minimaler Verantwortung strebt. Je mehr dies gelingt, desto mehr wird Macht oder Einfluss ausgeübt, ohne dass jemand für dessen Auswirkungen Sorge trägt.

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