Übe lauschen. Das Ohr ist dem Herzen näher als das Auge.

Rollen

Kreiskultur und Kommunikation Grundform nachhaltiger Sozialstrukturen und Organisationsformen Textquelle: Vivian Dittmar, www.viviandittmar.net

Der Gastgeber

Die Aufgabe des sogenannten Gastgebers ist es, Zeitpunkt, Ort, Dauer und Thema der geplanten Sitzung an allen einzuladenden Personen zu kommunizieren. Dies kann die Person sein, die das Treffen iniziiert, muss aber nicht. Der Gastgeber kann zudem noch Verantwortung für den gewählten Ort der Zusammenkunft übernehmen und beispielsweise sicherstellen, dass dieser zuvor gelüftet wurde, dass die Temperatur angenehm ist, dass Wasser vorhanden ist und, dass das Treffen auch in Kreisform abgehalten werden kann.

Der Raumhalter

Der Raumhalter hat während der Sitzung die Aufgabe, das Treffen zu strukturieren, ist also mit einem Moderator vergleichbar. Anders als bei der klassischen Sitzung ist diese Aufgabe nicht automatisch die der stärksten Führungsperönlichkeit im Kreis. Sie rotiert vielmehr, wie die anderen Funktionen auch, von einer Person zur nächsten.

Der Hüter

Aufgabe des Hüters ist es, die Kommunikation und die Beziehungen im Kreis aus einer Metaebene zu beobachten und bei Bedarf einzugreifen. Hierfür kann der Hüter auch mit einem akustischen Signal ausgestattet werden. Er wird vom Kreis autorisiert, einzugreifen. Der Kreis einigt sich darauf, dem Hüter bei Ertönen seines Signals sofort uneingeschränkte Aufmerksamkeit zu schenken. Der Hüter greift vor allem bei folgenden Situationen ein:

Abweichung vom Thema: Wenn der Hüter beobachtet, dass die Kommunikation in eine Richtung geht, die vom eigentlichen Thema der Sitzung abweicht, unterbricht er durch ein kurzes Signal und macht die Gruppe darauf aufmerksam, was geschehen ist. Seine Aufgabe besteht nicht darin, die Gruppe zum Thema zurückzuführen, sondern lediglich das Bewusstsein der Gruppe dafür zu schärfen, dass gerade ein anderes Thema angeschnitten wird. Der Kreis hat dann die Möglichkeit, bewusst zu entscheiden, ob er zu dem ursprünglichen Thema zurückkehren möchte oder ob das neu aufgetauchte Thema vielleicht zuerst geklärt werden muss. Gelegentlich wird das neue Thema auch auf ein anderes Treffen vertagt und vom Protokollführer entsprechend vermerkt.

Spannungen innerhalb des Kreises: Häufig verhindern nicht ausgesprochene Spannungen effektive Kommunikation, Kooperation und Entscheidungsfindung. Der Hüter hat auch hier die Aufgabe, die Gruppe darauf aufmerksam zu machen. Der Hüter kann dann eine von verschiedenen Massnahmen vorschlagen, um Spannungen abzubauen und um wieder eine Basis für effektive Zusammenarbeit herzustellen. Beispiele solcher Massnahmen sind eine Minute Schweigen, Counceling oder der Einsatz eines Redestabs.

Auf diese Punkte werde ich unter “Kommunikationselemente” noch genauer eingehen. Wechsel in einen anderen Kommunikationsmodus: Je nach Zielsetzung machen in einem Kreis unterschiedliche Kommunikatinsmodi Sinn. Der Hüter hat die Aufgabe, den Kommunikationsfluss im Kreis zu beobachten und einen Wechsel des Kommunikationsmodus anzuregen, wenn die derzeit gewählte Form der Zielsetzung nicht förderlich zu sein scheint.

Notwendigkeit einer Pause: Der Hüter hat zudem die Aufgabe, das Energieniveau im Kreis im Auge zu behalten und bei Bedarf eine Pause vorzuschlagen.

Der Protokollführer

Die Rolle des Protokollführers dürfte allgemein bekannt sein. Der Protokollführer hat auch hier die Aufgabe, stichpunktartig besprochene Themen festzuhalten und Entschlüsse zu dokumentieren.

Vorteile geteilter Führung für die Kommunikationsskultur in Unternehmen

Einer der größten Vorteile einer geteilten Führung, die sowohl funktional als auch rotierend ist, ist die gemeinsame Veranwortung für den Kommunikationserfolg. Dies schafft ein Klima der Kooperation und des Zuhörens. Das hier angeführte Szenario einer Sitzung soll jedoch nur Beispiel sein für eine andere Unternehmenskultur, die auf der Grundlage des Kreises möglich wird. Die Prinzipien der geteilten, rotierenden und funktionalen Führung lassen sich auch auf die Unternehmensführung im allgemeinen übertragen. Je tiefer das Vertrauen und die Kooperationsbereitschaft innerhalb des Kreises etabliert sind, desto organischer Fließen die verschiedenen Modi ineinander und desto mehr erübrigt sich eine starre Delegierung. Am Beispiel der Sitzung bedeutet dies, dass Kreise mit hinreichend Übung in dieser Art des Zusammenkommens häufig die einzelnen Rollen nicht mehr explizit definieren müssen. Die verschiedenen Funktionen rotieren hier häufig frei im Kreis und werden mal von dem einen, mal von dem anderen übernommen, ohne dass sie sich explizit als Hüter, Raumhalter oder Protokollführer definieren. Das funktioniert jedoch nur in Kreisen mit einem hohen Reifegrad und einer ausgeprägten Kooperationskultur, in denen die erforderliche Verantwortung für das Ganze von mehreren Personen selbstverständlich und freudig getragen wird.

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