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Modelle

Kreiskultur und Kommunikation Grundform nachhaltiger Sozialstrukturen und Organisationsformen Textquelle: Vivian Dittmar, www.viviandittmar.net

Modelle für neue Führung in Zusammenleben und Wirtschaft

So einfach die Grundlagen von Führung im Sinne der Kreiskultur zu begreifen sind, so anspruchsvoll ist deren Umsetzung. Zu tief steckt oft das Misstrauen gegenüber eingefahrenen Strukturen in Systemen, in uns selbst und in anderen. Zu verhärtet scheinen die alten Schemata, die Verantwortung abwälzen und Macht monopolisieren wollen. Doch zugleich gibt es eine tiefe Sehnsucht in jedem von uns, aus diesen Begrenzungen auszubrechen und Schritte in ein neues Miteinander zu wagen. Wir sind müde vom ewigen Kampf gegeneinander und immer mehr Menschen sind bereit, Verantwortung nicht nur zu tragen, sondern auch zu teilen. Doch wo beginnen? Wo fangen wir an, uns aus unseren selbst auferlegten Begrenzungen zu befreien und Schritte in ein neues Paradigma zu wagen? Beginnen wir bei der Art, wie wir Führung und Verantwortung begreifen und leben. Hier gibt es drei Ansätze, die ineinandergreifen, um eine neue Führung nicht nur begreifbar zu machen, sondern auch umsetzbar:

  • funktionale Führung
  • rotierende Führung
  • geteilte Führung.

Funktionale Führung

In hierarchisch geprägten Sozialstrukturen ergeben sich Autorität, Verantwortung und Entscheidungsgewalt aus der Position, die eine Führungskraft in der Pyramide innehat. Das Peter-Prinzip verdeutlicht nur einen Aspekt der Problematik dieses Systems. Das Peter-Prinzip besagt, dass in einem hierarchischen System jedes Mitglied bis zur Stufe seiner Inkompetenz aufsteigt. Die Konsequenz ist, dass Menschen in hierarchischen Ebenen häufig mit ihren Veranwortungen überfordert sind, sich jedoch nicht trauen, dies einzugestehen, aus Angst in der Pyramide abzusteigen oder gar ganz auszuscheiden. Funktionale Führung bedeutet, dass Entscheidungen von jeweils der Person getroffen werden, die gerade die größte Kompetenz, Kapazität und Verantwortungsbereitschaft hat. Hieraus ergibt sich eine Führung, die nicht personengebunden ist, sondern organisch rotiert.

Rotierende Führung

Voraussetzung für eine freie Rotation von Führung ist ein hohes Maß an Vertrauen, Verbundenheit und Kooperation innerhalb eines Kreises. Jedes Kreismitglied muss mit der Vision in der Mitte des Kreises verbunden sein und muss wissen, dass der Erfolg des Kreises immer gleichbedeutend mit dem eigenen Erfolg ist und umgekehrt. Neben der frei rotierenden Führung, wie unter funktionale Führung beschrieben, besteht die Möglichkeit, rotierende Führung nach festen Schemata zu installieren. So könnte man beispielsweise einführen, dass die Leitung von Sitzungen nach einem festen Schema rotiert, so dass jedes Mitglied eines Kreises die Gelegenheit bekommt, in dieser Form Verantwortung zu übernehmen. Auf ähnliche Weise lassen sich auch andere Rollen nach mehr oder weniger festen Schemata vergeben, woraus sich dann eine geteilte Führung ergibt.

Geteilte Führung

Das Modell der geteilten Führung basiert darauf, dass Führungskräfte im klassischen Sinne in einem System in der Regel mehrere Führungsfunktionen ausfüllen, die ohne weiteres voneinander getrennt werden können und dann recht gleichwertig nebeneinander stehen können. Um bei dem oben angeführten Beispiel einer Sitzungsleitung zu bleiben, lässt sich diese Funktion durchaus noch in mehrere Subfunktionen unterteilen. Christina Baldwin und Ann Linnea beschreiben in ihrem Buch “The Circle Way, A Leader in Every Chair” die Rollen des Gastgebers, des Raumhalters, des Hüters oder des Protokollführers. Auf die einzelnen Rollen möchte ich im Folgenden noch genauer eingehen, da damit das Prinzip der geteilten Führung verdeutlicht werden kann.

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